Stadtammänner und Stadtpräsidenten

                                          Partei Amtszeit
Zweifel Josef Anton     1803 - 1812 
Baumgartner Johannes     1812 - 1828 
Hoffmann Anton     1828 - 1831 
Weber Martin      1831 - 1832 
Bayer Nepomuk      1832 - 1834
Rothfuchs Karl, Dr.      1834 - 1836
Albertis Aloys      1836 - 1837 
Gschwend Franz Kilian      1837 - 1840 
Friedrich Adrian      1840 - 1845 
Rothfuchs Karl, Dr.      1845 - 1853 
Baumgartner Thadäus      1853 - 1856 
Hoffmann Albert      1856 - 1859 
Egger Josef Anton      1859 - 1860 
Pfister Johann Georg      1860 - 1865
Eberle Josef Notker  1826 - 1883   1865 - 1883 
Hedinger Ferdinand  1825 - 1903   1883 - 1897 
Hintermeister Carl 1845 - 1931 FDP 1897 - 1909
Engensperger Arnold, Dr. 1878 - 1924 Konservative Partei 1909 - 1924 
Rothenhäusler Carl , Dr. 1890 - 1977 FDP 1925 - 1948 
Grob Ernst 1910 - 1984 FDP 1948 - 1966
Müller Werner 1923 - 1984 FDP 1966 - 1984
Fischer Marcel, Dr.  1938 - CVP 1984 - 2003 
Müller Thomas  1952 - CVP, ab 2011 SVP 2003 - 

* der Vorsitzende des Rates wurde bis 1918 Gemeindammann und danach bis 2001 Stadtammann genannt. Stadtpräsident heisst der Ratsvorsitzende seit 2001 aufgrund des kantonalen Gemeindegesetzes.

Hintermeister Carl, 23.4.1845 – 21.1.1939 war Gemeindeammann von 1897 bis 1909. Er gehörte der freisinnigen Partei an.

Sein Weitblick, seine Tatkraft und sein praktischer Sinn gaben der Gemeinde eine Verwaltung nach kaufmännischen Grundsätzen und eine neue Gemeindeordnung mit kleinem Gemeinderat (heute Stadtrat) und grossem Gemeinderat (später Gemeindeparlament). In seine Amtsdauer fällt die Entwicklung Rorschachs vom Dorf zur Industriestadt. In einem einzigen Jahrzehnt stieg die Einwohnerzahl von 7'600 auf 13'000. Bautätigkeit und Strassewesen mit neuen Quartieren erlebten in diesen Boomjahren der Stickereiindustrie eine gewaltige Entwicklung. Hintermeister war ein weltgewandter Kaufmann (er war in jungen Jahren Kaufmann in Mocambique tätig) und vorsichtiger Organisator, der die Zeichen der damaligen Zeit erfasste. Er war ein zielbewusster, kraftvoller und weitblickender Gemeindeleiter. Eine ganze Reihe wichtiger Schöpfungen entstammen seiner Initiative: Neues Strassennetz, Krankenhaus, Ankauf Wasserversorgung, Einführung elektrischer Energie, Schlachthaus und Stadtbibliothek.
 

Arnold Engensperger, Dr., war Gemeinde- bzw. Stadtammann von 1909 - 1924. Er gehörte der Konservativen Partei an.

Unter Arnold Engensperger entstand im Zeichen des Proporzes 1917/1918 eine neue Gemeindeordnung. Engensperger legte einen „Verfassungsentwurf" vor, der die Gemeinde zur „Stadt" erhob. Engensperger rechtfertigte die Neuerung mit historischen Argumenten und mit dem baulich städtischen Charakter des Ortes. Aus dem kleinen Gemeinderat wurde der Stadtrat und aus dem Gemeindeammann ein Stadtammann. Denkwürdig war die Volksabstimmung vom 24. Februar 1918, die neue Gemeindeordnung wurde mit nur zwei Stimmen Mehrheit angenommen, mit 690 Ja zu 688 Nein.

Den ersten Gemeinderats-Proporzwahlen am 21. April 1918 ging ein heftiger Wahlkampf voraus. Freude hatten nur die Sozialdemokraten, sie verdoppelten die Mandatszahl auf acht.

Die neue Organisation der Stadtbehörde mit Stadtrat und Gemeinderat bewährte sich. Die Bürgerschaft nahm in den folgenden sechs Jahren 25 von 27 Gemeindevorlagen an und bewilligte für die gesamte Fürsorge und Notstandsarbeiten fast 3 Millionen Franken!
 

Carl Rothenhäusler, Dr., (5.10.1890 - 31.12.1977) war Stadtammann von 1925 - 1948. Er gehörte der freisinnigen Partei an.

Carl Rothenhäusler wuchs in Rorschach auf und wandte sich einem Rechtsstudium in München, Berlin und Zürich zu. Nach seiner Doktor-Promotion kehrte er 1922 in seine Vaterstadt zurück, wo er eine Anwalts-Praxis eröffnete. Im gleichen Jahr wurde er als Stadtrat gewählt. 1925 folgte seine Wahl zum Stadtammann, als welcher er bis 1948 amtierte. Obwohl eine Versammlungsmehrheit seiner eigenen Partei ihn 1945 wegen seiner etwas bedächtigen Amtsführung nicht mehr für eine weitere Amtsdauer portieren wollte, wurde er von den anderen Parteien trotzdem gewählt. Die Jahre seiner Tätigkeit waren geprägt durch die sozialen Massnahmen während der grossen Wirtschaftskrise in den Dreissigerjahren und danach durch den Zweiten Weltkrieg. Von den Werken und Problemen, die ihn in diesen Jahren beschäftigten, waren die wichtigsten: Projekte für eine Verbesserung der Rorschacher Bahnhofverhältnisse, der Krankenhausausbau und die Neuordnung der Elektrizitätsversorgung. Als einer der Gründer des Heimatmuseums war er jahrelang Präsident der Heimatmuseums-Gesellschaft.
 

Ernst Grob (24.4.1919 - 28.11.1984) war Stadtammann von 1948 - 1965, von 1954 - 1964 Mitglied des St. Galler Kantonsrats und von 1959 - 1971 Mitglied des Nationalrats. Er gehörte der freisinnigen Partei an.

Ernst Grob wuchs in Rorschach auf, wo er auch die Schulen besuchte. Nach der Absolvierung der Verkehrsschule St. Gallen folgte eine Verwaltungslehre in der Rorschacher Stadtverwaltung. Neben seiner Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung und in der Privatwirtschaft profilierte er sich politisch mit der Gründung der Bezirksgruppe Rorschach der Jungliberalen Bewegung. Von 1942 bis 1945 war er Mitglied des Stadtrates und von 1942 - 1964 Stadtammann. Mit grosser Beharrlichkeit setzte er sich nach den Krisen- und Kriegsjahren, die der Stadt grosse Lasten aufbürdeten, für eine Sanierung und Stärkung der Stadtfinanzen ein.

In seiner Zeit als Nationalrat war er Präsident der ständigen Aussenwirtschaftskommission. Während längerer Zeit diente er auch dem Verband Schweizerischer Verkehrsvereine wie auch der Finanzkommission des Schweizerischen Städtebundes.

Nach seinem Rücktritt 1966 als Stadtammann übernahm Ernst Grob die Direktion der Rorschach-Heiden-Bergbahn und der Bergbahn Rheineck-Walzenhausen. Er engagierte sich auch für den Verkehrsverein Rorschach und als Stiftungsrat des städtischen Altersheims, dessen Schaffung er noch zu seiner Amtszeit tatkräftig gefördert hatte.
 

Werner Müller (28.2.1923 - 18.2.1984) war Stadtammann von 1966 - 1984. Er gehörte der freisinnigen Partei (FDP) an und starb 1984 im Amt.

Werner Müller stammte aus Hundwil (AR). In Herisau absolvierte er eine Banklehre. Nach Anstellungen in St. Gallen und Lausanne und einem halben Jahr in England übersiedelte er 1947 nach Rorschach, wo er eine Familie gründete und in den Schulrat gewählt wurde. Nach dem Rücktritt von Ernst Grob als Stadtammann wählte ihn Ende 1965 die Bürgerschaft in einer Kampfwahl in dieses Amt, das er mit grossem Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Initiative ausübte. Unter Müller wurden wichtige Verwaltungs-, Planungs- und Bauaufgaben der öffentlichen Hand aufgegriffen und zielstrebig erfüllt (Seeuferanlagen, Stadthof mit Saal, neue Schiffe für Schifffahrtsbetrieb, regionales Pflegeheim, Alterssiedlung, regionale Abwasserreinigung). Ein besonderes Anliegen war ihm die Hebung der Attraktivität Rorschachs durch gezielte Massnahmen, die dem Ansehen und der regionalen Entwicklung förderlich waren. Er engagierte sich in Regional- und Zweckverbänden und in Verwaltungsbehörden von Elektrizitäts- und Versorgungsunternehmen, an denen Rorschach als Aktionärin beteiligt ist. Er war ein Mann mit viel Charisma und beliebt in allen Bevölkerungsschichten der Stadt. Müller setzte sich mit grosser Hingabe für das Wohl der Stadt und ihrer Bewohner ein. Das rastlose Schaffen zehrte an seiner Gesundheit. Noch fünf Tage vor seinem unerwarteten Tod vertrat er in einer bewegten Sitzung des Gemeinderates vehement den Standpunkt des Stadtrates.